Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Regierung will der sogenannten Eiszeit-Generation unter die Arme greifen. Das würde auch der staatlichen Sozialversicherung nützen.

Keine Festanstellung

Das Kabinett beschloss jetzt Beschäftigungsmaßnahmen für die Generation der Japaner zwischen Mitte 30 und Mitte 40. In dieser Generation verpassten viele Schulabgänger und Studienabsolventen wegen einer Dauerrezession die Chance auf eine feste Anstellung.

In den neunziger Jahren entwich die Luft aus der Spekulationsblase mit Aktien und Immobilien im vorigen Jahrzehnt. Dadurch herrschte am Arbeitsmarkt eine Eiszeit. Die Unternehmen bauten ihre Schulden ab und stellten weniger Mitarbeiter ein. Zugleich wurde in vielen Branchen Zeitarbeit zugelassen.

Unflexibler Arbeitsmarkt

Wegen des unflexiblen Arbeitsmarktes muss sich geschätzt eine Million Japaner bis heute mit prekären Beschäftigungsverhältnissen begnügen. Unflexibel heißt: Schul- und Universitätsabgänger werden jahrgangsweise eingestellt und später nach Dienstalter befördert. Wer den Einstieg verpasst, bleibt für immer draußen.

Mangels genug und stabilen Einkünften wohnen viele Angehörige der Eiszeit-Generation noch bei ihren Eltern und konnten keine eigene Familie gründen. Nun will die Regierung in den nächsten drei Jahren 300.000 neue Arbeitsplätze für diese „verlorene“ Generation schaffen.

Höherer Mindestlohn

Die Hilfe würde sich für den Staat mittel- bis langfristig auszahlen: Wenn diese Japaner Vollzeit arbeiteten, würden sie mehr Steuern entrichten und höhere Beiträge in die Rentenkasse einzahlen. Dadurch würden die Steuerzahler und die Sozialversicherung später entlastet.

Über die Förderung von Arbeitsplätzen hinaus strebt die Regierung an, den durchschnittlichen nationalen Mindeststundenlohn von derzeit 874 Yen „zu einem frühen Zeitpunkt“ auf 1.000 Yen (8,20 Euro) zu erhöhen. Die Opposition legte sofort nach und versprach, den Mindestlohn in fünf Jahren sogar auf 1.300 Yen anzuheben.

Foto: Kantei