Tokio (JAPANMARKT) – Die Japaner essen plötzlich viel mehr Käse aus Europa. Der neue Freihandelsvertrag mit der EU wirkt sich schneller aus als gedacht.

Richtige Vorhersage

Europäische Agrarerzeugnisse wie Käse, Schweinefleisch und Wein werden zu den Gewinnern des Vertrages gehören, hatte die Europäische Kommission immer vorhergesagt. Diese Prognose scheint sich nun zu erfüllen.

Bereits im Februar unmittelbar nach Inkrafttreten des Vertrages zogen die japanischen Agrarimporte deutlich an. Das aus EU-Ländern importierte Menge an Schweinefleisch stieg um 54 Prozent, die Menge Wein um 42 Prozent und die von Käse um 30 Prozent.

Bestellungen nachgeholt

Dieses starke Wachstum war jedoch teilweise darauf zurückzuführen, dass die japanischen Importeure viele Bestellungen aus dem Januar zurückgehalten hatten, um von den gesenkten Zollsätzen zu profitieren. Jedoch bestätigen die jüngsten Daten für den Monat April, dass es sich um einen stabilen Aufwärtstrend handelt.

Beispiel Käse: Die japanischen Importe aus der EU von 13.555 Tonnen lagen um 57 Prozent höher als im April des Vorjahres. Die Einfuhr von Käse aus Deutschland legte um mehr als das Doppelte auf 2.244 Tonnen zu. Die Niederlande steigerten ihren Export nach Japan um 84 Prozent auf 4.480 Tonnen.

Geringe Zollsenkung

Das starke Wachstum verblüfft insofern, als dass die japanischen Zölle auf beliebte europäische Käse wie Camembert und Cheddar gar nicht so stark fielen, nämlich von 29,8 Prozent um 3,7 Punkte auf 26,1 Prozent. Eine mögliche Erklärung: Die Importeure sind nun mutiger im Einkauf und setzen dadurch auch mehr ab.

Die Exporterfolge der EU haben unterdessen politische Auswirkungen. In den bilateralen Gesprächen mit Japan über einen Freihandelsvertrag kämpfen die USA um eine ähnliche oder noch bessere Zollsenkung für landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie sie die EU mit Japan bereits erreicht hat.

Foto: Käseangebot in japanischem Supermarkt (© Martin Fritz)