Tokio (JAPANMARKT) – Die Internationalisierung der japanischen Wirtschaft schreitet voran. Jetzt kauft der US-Halbleiterriese Applied Materials den japanischen Maschinenbauer Kokusai Electric.

Kein Widerstand

Die Elektronikindustrie war und ist Japans größter Stolz, angefangen von der Firmen-Ikone Sony über den Keramikspezialisten Kyocera und den Supercomputer-Bauer Fujitsu bis zu Toshiba, dem Erfinder des NAND-Speicherchips und noch vor rund zwanzig Jahren der weltgrößte Hersteller von Notebook-Computern.

Daher wehrten sich der japanische Staat und die Unternehmen lange Zeit gegen das Kaufinteresse von ausländischen Adressen. Als der Chiphersteller Renesas und später der Bildschirm- und TV-Hersteller Sharp in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, wurde ausländisches Kapital erfolgreich oder über lange Zeit blockiert.

Inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt. Die Regierung ließ am Ende zu, dass Foxconn aus Taiwan die Kontrolle von Sharp übernahm. Auch die – inzwischen gescheiterte – Rettung von Japan Display durch ein chinesisch-taiwanesisches Konsortium wurde hingenommen. Beide Unternehmen galten bis dahin wegen ihrer Patente für Bildschirme für Japan als unverzichtbar.

Verkauf ins Ausland

Der Sinneswandel lässt sich nun wieder bei der früheren Hitachi-Tochter Kokusai Electric beobachten. Im Dezember 2017 durfte der US-Beteiligungsfonds KKR den japanischen Maschinenbauer für die Halbleiterindustrie komplett kaufen und in mehrere Teile zerlegen, nachdem sich kein japanischer Käufer gefunden hatte.

Nun reicht KKR die Kokusai Electric-Sparte für Halbleiter für 2,2 Milliarden Dollar an Applied Materials in den USA weiter. Dieser Teil der Ex-Hitachi-Tochter ist auf die Abscheidung dünner Filme auf Wafern spezialisiert. Der Widerstand gegen den Deal dürfte diesmal aus China kommen. Dort ist ein Teil des Geschäfts angesiedelt, chinesische Bieter kamen nicht zum Zug.

Applied Materials hatte schon 2015 eine Expansion in Japan versucht. Der Kauf von Tokyo Electron für knapp 10 Milliarden Dollar scheiterte damals an den Kartellbehörden.

Foto: Silizium-Wafer für Halbleiterprodukte (Pixabay CC0)