Traditionell eine Stadt der Kaufleute, ist Osaka das wichtigste Wirtschaftszentrum Japans nach Tokio – und Gastgeberin des ersten G20-Gipfels, den Japan ausrichtet.

Von Sonja Blaschke

 

Lange schlug in der Region Kansai in Zentraljapan das kulturelle und politische Herz Japans. Kyoto und Nara, die zeitweilig Sitz der kaiserlichen Familie waren, sind für ihr historisches Erbe weltberühmt. Während dort Tempel und Schreine das Stadtbild prägen, sind es in Osaka, der drittgrößten Stadt Japans, die Hochhäuser aus Stahl und Glas. Der bekannteste Wolkenkratzer ist der 2014 eröffnete Büroturm Abeno Harukas, mit 300 Metern und 59 Stockwerken das höchste Gebäude Japans. Er gibt die
Marschrichtung vor: Osaka gilt dank eines wichtigen Hafens seit Jahrhunderten als Stadt der Kaufleute. Nach Tokio ist sie das wichtigste Handelszentrum Japans, eine Rolle, die nach der temporären Lähmung Tokios infolge der Dreifachkatastrophe
2011 besonders deutlich wurde. Damals verlegten viele Unternehmen ihre Zentrale oder wichtige Funktionen nach Osaka, zumindest zeitweise. Aber auch schon vorher brummte das Geschäft: Fünf Prozent der globalen Wirtschaftsleistung wurden Ende der 1980er, Anfang der 1990er in der Region Kansai generiert.

Der Charakter der gewieften Händler spiegelt sich noch heute in den lebenslustigen, weltoffenen Bewohnern von Osaka wider. Der Umgangston ist direkter, manchmal gar rau, dafür läuft alles unkomplizierter und weniger distanziert als in der Hauptstadt ab. Die Stadt ist verrufen für ihren Dialekt und bekannt für ihre Comedians. „Mohkaremakka – verdienst du Geld?“ ist eine
typische Begrüßung in Osaka, wo man genauso hart arbeitet wie man feiert. Die Unterhaltungsviertel Namba und Shinsaibashi sowie Dotonbori mit der berühmten Glico-Leuchtreklame sind landesweit bekannt. Gourmets kommen in der „Küche Japans“ auf ihre Kosten – und um ihr Geld.

Zusammen mit der Hafenstadt Kobe bilden Osaka und Kyoto eine der größten Metropolregionen der Welt namens Keihanshin. Mit knapp 20 Millionen Menschen ist es die zweitgrößte urbane Region Japans nach Tokio und umfasst rund 15 Prozent der japanischen Bevölkerung. Osaka ist neben Kyoto eine von zwei sogenannten „Stadtpräfekturen“ (fu). Anders als in Tokio ist die Innenstadt übersichtlich in Nord-Südrichtung ausgerichtet und daher leicht zu navigieren. Der Norden Osakas kommt eher schick daher, der Süden ist bodenständiger. Zur Präfektur gehören tatsächlich auch ländliche Gebiete, aber alles konzentriert sich auf das Stadtzentrum, das wie ein Magnet wirkt.

Um aus dem Schatten Tokios hervorzutreten, baut Osaka auf zwei Großveranstaltungen: den G20-Gipfel Ende Juni sowie die Weltausstellung 2025. Osaka bewirbt sich außerdem neben drei anderen Orten als Standort eines integrierten Casino-Komplexes, von dem man sich 24 Millionen Besucher pro Jahr verspricht. Die japanische Regierung plant zunächst
maximal drei Lizenzen zu vergeben und Osaka gilt als Favorit. Die Stadt hofft im Falle eines Zuschlags, den integrierten
Casino-Komplex bis zur Eröffnung der Weltausstellung fertigzustellen.

Doch zunächst muss Osaka den G20-Gipfel Ende Juni meistern. Erstmals hat Japan die G20-Präsidentschaft und damit die Gastgeberrolle übernommen. Der japanische Premierminister Shinzo Abe hat als Ziel für das Treffen am 28. und 29. Juni angekündigt, eine „freie, offene, integrative und nachhaltige künftige Gesellschaft zu verwirklichen“.

Der Gouverneur von Osaka, Hirofumi Yoshimura, und der Bürgermeister der Stadt Osaka, Ichiro Matsui, die im April bei Wahlen erfolgreich ihre Posten tauschten, haben ihre eigene Agenda. Sie denken schon weiter und wollen den Besuch berühmter Gäste nutzen, um diesen Zusagen für den Besuch der Expo abzuringen. „Der G20-Gipfel ist eine wichtige Gelegenheit, um der Welt die Ideale der Expo 2025 zu vermitteln“, sagte Matsui im Dezember. Osaka weiß sich zu verkaufen.

 

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im JAPANMARKT Nr. 2/2019.

Beitragsbild: Flickr/a.canvas.of.light/CC BY 2.0

Grafiken: AHK Japan, JAPANMARKT Nr. 2/2019