Tokio (JAPANMARKT) – Der Anteil der weiblichen Kandidaten bei der Oberhauswahl am 21. Juli ist so hoch wie nie. Allerdings unterscheiden sich die Parteien deutlich.

Gesetz für mehr Frauen

Der Gesamtanteil kletterte auf 28,1 Prozent – so hoch wie noch nie bei einer landesweiten Wahl. In Zahlen: Von 370 Kandidaten sind 104 Frauen, acht mehr als bei den letzten Oberhauswahl vor drei Jahren. Der Unterschied zwischen damals und heute besteht in einem Gesetz vom Mai 2018. Es verpflichtet die politischen Parteien, möglichst genauso viele Frauen wie Männer aufzustellen. Aber die Vorgabe wird unterschiedlich umgesetzt, da es keine Sanktionen gibt.

Die höchsten Frauenanteile haben kleinere Parteien, den niedrigsten die kleinere Regierungspartei. Die oppositionellen Sozialdemokraten stellten fünf Kandidatinnen auf (Anteil 71,4 Prozent) und die Kommunistische Partei 22 Kandidatinnen (Anteil 55 Prozent). Die größte Oppositionspartei, Constitutional Democratic Party of Japan, setzt auf 19 weibliche Kandidatinnen (Anteil 45,2 Prozent).

Elf der 18 Kandidaten, die von allen Oppositionsparteien gemeinsam unterstützt werden, sind Frauen. Eine mögliche Erklärung: Umfragen zufolge ist das Kabinett von Premierminister Shinzo Abe bei Frauen weniger beliebt als bei Männern. Daraus versucht die Opposition mit mehr weiblichen Kandidaten einen Vorteil zu ziehen.

Gefesselte Regierungsparteien

Die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) bleibt ihrem Ruf als Männerorganisation treu. Der Slogan „Japans Frauen sollen leuchten“ hat die LDP nicht beeindruckt. Nur zwölf Frauen sind unter den Kandidaten – das entspricht 14,6 Prozent aller Kandidaten, genauso viel wie vor drei Jahren. Die buddhistische Komei-Partei traut sogar nur zwei Frauen (Anteil 8,3 Prozent) einen Sieg zu.

Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Regierungsparteien im Oberhaus schon stark vertreten sind. Viele Abgeordnete treten für eine Wiederwahl an, sodass sich das Geschlechterverhältnis über die Kandidatenaufstellung schwerer ändern lässt. Premier Abe versprach, bei der nächsten Wahl auf 20 Prozent Frauenkandidaten zu drängen.

Nach Daten der Interparlamentarischen Opposition waren nach der letzten Unterhauswahl im Herbst 2017 nur 10,2 Prozent der Parlamentsabgeordneten weiblich. Das reichte nur für Platz 164 von 193 Nationen. Unter den 20 größten Industrienationen bildet Japan mit dieser Quote das Schlusslicht.

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