Tokio (JAPANMARKT) – Ausländische Anleger halten sich am japanischen Aktienmarkt derzeit zurück. Dabei kaufen die Unternehmen der Japan AG im Rekordtempo eigene Papiere zurück.

Schwaches Abschneiden

Gemessen an den Barometern Nikkei 225 und Topix haben japanische Aktien im ersten Halbjahr im Vergleich zu den USA und Deutschland weniger zulegt. Ein Grund: Ausländische Investoren verkauften zwischen Januar und Mai laut Daten der Japan Exchange Group alleine Topix-Aktien für netto 581 Milliarden Yen (4,8 Milliarden Euro).

Aber dafür kauften japanische Unternehmen in großem Stil ihre eigenen Papiere zurück. Gemäß den Daten der US-Investmentbank Morgan Stanley erwarben sie im zweiten Quartal Aktien für knapp 3,5 Billionen Yen (28,7 Milliarden Euro) – ein Dreizehnjahreshoch für ein Vierteljahr.

Fürs laufende Jahr kündigten die Gesellschaften schon Rückkäufe für 5,3 Billionen Yen an. Für das Gesamtjahr erwartet Morgan Stanley eine Summe von sieben Billionen Yen (57,4 Milliarden Euro). Das entspräche knapp der Hälfte der erwarteten Dividendensumme.

Höhere Ausschüttungen

In der Folge wachsen die gesamten Ausschüttungen für die Aktionäre auf den Rekord von knapp 22 Billionen Yen (180 Milliarden Euro). Dadurch erreicht die Ausschüttungsquote für die Topix-Unternehmen 3,7 Prozent. Das ist der höchste Stand seit den achtziger Jahren. Vor der Abenomics-Ära lag die Quote bei zwei Prozent.

Diese Entwicklung hängt damit zusammen, dass die japanische Regierung die Unternehmen über eine bessere Corporate Governance und einen Stewardship Code für institutionelle Investoren attraktiver gemacht hat. Die Manager reagieren auf Investorenforderungen sensibler als früher.

Diese aktivistischen Anleger verlangen höhere Dividenden und Aktienrückkäufe, den Verkauf von Vermögenswerten außerhalb des Kerngeschäfts, die Abspaltung ganzer Sparten, die Entlassung schwacher Manager und die Berufung von mehr unabhängigen Direktoren.

„Bester Buy-Out-Markt“

Parallel entdecken ausländische Beteiligungsgesellschaften die Inselnation. Das US-Schwergewicht KKR bezeichnete Japan als den weltweit interessantesten Buy-Out-Markt. Das bedeutet: Diese Gesellschaften kaufen japanische Unternehmen in der Absicht auf, sie nach einem Umbau oder einer Restrukturierung teurer wieder abzustoßen.

Die Attraktivität japanischer Unternehmen für diese Fonds ergibt sich aus den günstigen Bewertungen, der billigen Finanzierung und den starken Restrukturierungszwängen durch den demografischen Wandel und die Globalisierung. Das unsichere Wirtschaftsumfeld eröffnet diesen Investoren zusätzliche Chancen. Damit entwickelt sich Japans Kapitalmarkt weiter in die westliche Richtung.

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