Tokio (JAPANMARKT) – Der Handelsstreit zwischen Japan und Südkorea hat geschichtliche Wurzeln. An einer Eskalation ist jedoch keine Seite interessiert.

Gebremster Export

Südkoreas Präsident Moon Jae-in warnte bei einem Treffen mit Managern von 30 Großunternehmen vor einem länger andauernden Streit wegen japanischer Exportkontrollen für Chemikalien, die die südkoreanische Halbleiterindustrie für die Fertigung von Chips und OLED-Bildschirmen benötigt. „Es handelt sich um eine nie dagewesene Notsituation“, sagte Moon.

Mit der Einführung der Lizenzen will Japan Südkorea bei einem Streit um Entschädigungszahlungen zum Nachgeben zwingen. Im Herbst 2018 verurteilte das Oberste Gericht in Südkorea nämlich japanische Konzerne, darunter Nippon Steel und Mitsubishi Heavy, zu Entschädigungen an Ex-Zwangsarbeiter. Eigentum der Firmen in Südkorea wurde beschlagnahmt. Japan hält dies nicht für rechtmäßig.

Innenpolitische Motive

Aber der Streit dient auch innenpolitischen Zwecken. Präsident Moon Jae-in gibt sich hart gegenüber Japan, weil er wegen der schlechten Wirtschaftslage unter Druck steht. Er löste einen Fonds für sogenannte „Trostfrauen“ in japanischen Armeebordellen auf, den seine Vorgängerin Park Geun-hee mit Japan ausgehandelt hatte, und wies die japanische Forderung, auf die Entschädigungen zu verzichten, zurück. Japans Regierung wiederum benutzt die Daumenschrauben gegen Südkorea in ihrem Wahlkampf für die Teilparlamentswahl am 21. Juli, um von der unpopulären Erhöhung der Umsatzsteuer auf zehn Prozent im Oktober abzulenken.

Wegen solcher Hintergedanken kontrollieren Seoul und Tokio ihren Konflikt ganz bewusst, um keinen großen wirtschaftlichen Schaden zu verursachen. Außer einer mündlichen Beschwerde bei der Welthandelsorganisation hat Südkorea bisher keine Gegenmaßnahmen ergriffen. Und Japan beteuerte, den Export der Chemikalien nur bei einer militärischen Verwendung zu verbieten.

In der Vergangenheit wurden die USA bei ähnlichen Streitigkeiten als Vermittler tätig. Beide Länder sind mit den USA verbündet. Aber bislang gab es keine erkennbaren Bestrebungen in Washington, sich in den politisch motivierten Handelsstreit einzuschalten. Daher müssen Seoul und Tokio nun alleine einen gesichtswahrenden Ausweg aus der verfahrenen Situation suchen.

Foto: Südkoreas Hauptstadt Seoul (Pixabay CC0)