Tokio (JAPANMARKT) – Immer mehr Thailänder und andere Südostasiaten entdecken die Inselnation im Osten ihres Kontinents. Das dürfte auch die Japaner selbst beeinflussen.

Vereinfachte Visa

Im vergangenen Jahr kamen erstmals mehr als eine Million Touristen aus Thailand nach Japan. Die Zahl von 1,13 Millionen Besuchern, ein Plus von fast 15 Prozent zum Vorjahr, ist enorm, wenn man berücksichtigt, dass bis zum Jahr 2009 nur 100.000 Thailänder jährlich nach Japan reisten. Zuvor hatten bereits Südkorea, China, Taiwan, Hongkong und die USA die Marke von einer Million überschritten.

Für den kräftigen Aufschwung sorgte zum einen eine Erleichterung der Visa-Bedingungen und zum anderen der wachsende Wohlstand in Thailand. Dazu kamen die Aufwertung des thailändischen Währung Baht und sinkende Ticketpreise durch Billigflieger. Dadurch wurde ein Japan-Besuch für viele Thais erschwinglich. Der Buddhismus in beiden Ländern weckt zudem kulturelles Interesse.

60 Millionen Besucher

In den nächsten Jahren erwartet die japanische Tourismusorganisation JTNO einen ähnlich kräftigen Besucherzuwachs aus anderen Nationen in Südostasien. Die Zahl der Touristen aus Vietnam wuchs im Vorjahr bereits um 26 Prozent auf 389.000, aus den Philippinen um 19 Prozent auf 504.000, aus Indonesien um 13 Prozent auf 397.000 und aus Malaysia um sieben Prozent auf 468.000.

Laut der Mizuho Bank wächst der Auslandstourismus eines Landes, wenn das Pro-Kopf-Einkommen über 5.000 Dollar steigt. Bei Thailand war dies 2010 und bei China 2011 der Fall. Indonesien wird diese Schwelle voraussichtlich 2022 erreichen, die Philippinen und Vietnam dürften bald folgen.

Dieses voraussichtlich starke Wachstum von asiatischen Touristen dürfte Japan dabei helfen, das Ziel von jährlich 60 Millionen Besuchern im Jahr 2030 zu erreichen. Im vergangenen Jahr waren es rund 31 Millionen, im Olympia-Jahr 2020 sollen es 40 Millionen werden.

Asien rückt näher

Dieser Ansturm dürfte auch das Bewusstsein in Japan für eine ethnische und philosophische Nähe zu den Nationen in Asien schärfen. Japans Unternehmen haben Asien längst als wichtigsten Wachstumsmarkt identifiziert, weil dort die Mittelschicht und damit der Konsum rasant zunimmt.

Seit der Öffnung des Landes in der Mitte des 19. Jahrhunderts orientierte sich Japan fast ausschließlich am Westen. Nach dem verlorenen Weltkrieg wurden die Vereinigten Staaten der wichtigste Partner der USA. Doch durch Tourismus und Investitionen rückt Japan so nahe an Asien wie nie zuvor.

Foto: Buddhistischer Tempel Todai-ji (Wikipedia CC BY 2.5)