Tokio (JAPANMARKT) – Wer folgt auf Shinzo Abe als Premierminister? Die besten Chancen hätte Shinjiro Koizumi, wäre da nicht sein Alter.

Vorbild Kennedy

Im Parlamentsbüro des 38-jährigen Politikers hängen mehrere Fotos von seinem Vorbild John F. Kennedy. So wie der Amerikaner im Alter von knapp 44 Jahren der jüngste gewählte Präsident der USA wurde, so möchte Koizumi einmal der jüngste Premierminister von Japan werden. Den Rückhalt im Wahlvolk dafür hätte er: In Umfragen wird er als Nachfolger von Regierungschef Shinzo Abe (64), der noch bis zum Herbst 2021 im Amt bleiben kann, favorisiert.

Dass Koizumi ihn direkt beerbt, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Zwar sitzt er schon seit zehn Jahren im Parlament, aber damit gilt er in der von Seniorität bestimmten Politik in Japan immer noch als Grünschnabel. Der jüngste Premier der Nachkriegszeit war der jetzige Amtsinhaber, der zu Beginn seiner ersten Amtszeit 52 Jahre alt war. So lange möchte Koizumi eigentlich nicht warten: „Ich will schnell alt werden“, bekannte er in einem seiner wenigen Interviews.

Mutmacher und Optimist

Also unterwirft sich der ehrgeizige, gutaussehende und in den USA ausgebildete Politiker der Parteidisziplin, um seine Eignung für höhere Ämter unter Beweis zu stellen, zum Beispiel als Zugpferd im laufenden Wahlkampf für die Oberhauswahl am kommenden Sonntag. In seinen Reden präsentiert sich Koizumi als Reformer. Sein Slogan „Japan kann sich ändern“ trotzt der Zukunftsskepsis, die wegen des demografischen Wandels viele Japaner ergriffen hat.

Als Leiter des Komitees für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt in der regierenden Liberaldemokratischen Partei weiß Koizumi, wovon er spricht. Er macht allen Generationen Mut, mit der Perspektive einer bis zu 100-jährigen Lebensspanne aktiv und positiv umzugehen, um Japans Schwäche in eine Stärke zu verwandeln.

Gute Aussichten

Sollte Koizumi keinen schweren Fehler machen, dürfte er nach seinen bisherigen Posten als Staatssekretär für den Wiederaufbau im Nordosten sowie im Kabinettsbüro zunächst Minister und später auch Premierminister werden. Schließlich gehört er einer der bekanntesten Politikerdynastien der Inselnation an.

Seinen Wahlkreis in der Präfektur Kanagawa erbte er von seinem Vater Junichiro Koizumi (77), der in den Jahren zwischen 2001 und 2006 zum beliebtesten Regierungschef seit der sogenannten „Blasenwirtschaft“ der achtziger Jahre wurde. Großvater Junya brachte es zum Verteidigungsminister und Urgroßvater Matajiro, zuvor Boss einer Yakuza-Gangstergruppe, zum Postminister.

Foto: © Shinjiro Koizumi (via Facebook/Shinjiro Koizumi)