Tokio (JAPANMARKT) – Tokyo Electric Power, im Ausland bekannt als Tepco, legt alle zehn Atomreaktoren in Fukushima still. Die Entscheidung ist Japans größtem Stromversorger aus gutem Grund schwergefallen.

Beschluss für Rückbau

Nach Informationen der Finanzzeitung Nikkei nimmt Tepco die vier Meiler im AKW Fukushima Daini (Nummer zwei) zwölf Kilometer südlich des havarierten Atomkraftwerks Daiichi nicht mehr in Betrieb. Sie werden in den nächsten 40 Jahren zusammen mit den sechs Reaktoren im AKW Fukushima Daiichi stillgelegt. Der Vorstand will dies Ende Juli beschließen.

Die Entscheidung hatte sich seit Juni 2018 abgezeichnet. Tepco-Chef Tomoaki Kobayakawa teilte Fukushima-Gouverneur Masao Uchibori mit, eine Stilllegung der Anlage zu erwägen. Ihr ungewisser Status behindere den Wiederaufbau der Region. Dagegen betonte Uchibori, die Bevölkerung wünsche sich die Stilllegung. Damit bauen die Versorger nun insgesamt 21 der 55 Reaktoren in Japan ab.

Kosten mit Kalkül

Für den Stromversorger der Region Tokio ist die Entscheidung finanziell schmerzhaft. Das AKW Fukushima Daini überstand den Tsunami ohne Kernschmelzen. Zwar wurde nach der Schnellabschaltung aller vier Meiler der nukleare Notfall ausgerufen, aber die überschwemmten Pumpen für den Kühlkreislauf konnten rechtzeitig ersetzt werden.

Anschließend wurde die Anlage für 100 Milliarden Yen (820 Millionen Euro) repariert. Ihre Stilllegung kostet laut dem Nikkei-Bericht weitere 270 Milliarden Yen (2,2 Milliarden Euro). Immerhin spart sich Tepco die teure sicherheitstechnische Nachrüstung der vier Meiler, die im nächsten Jahrzehnt eine Laufzeit von vierzig Jahren erreicht hätten.

Allerdings bedeutet die Entscheidung keinen Verzicht auf Atomkraft. Im Gegenteil: Zur „Belohnung“ für den Ausstieg in Fukushima erhofft sich Tepco eine Genehmigung für den Neustart des AKW Kashiwazaki-Kariwa. Im September 2017 hatte die Atomaufsicht zwei der sieben Atommeiler für betriebsfähig erklärt. Tepco sei grundsätzlich wieder fähig, Atomkraftkwerke zu betreiben, meinten die Kontrolleure.

Foto: AKW Fukushima Daini (Wikipedia CC BY 4.0)