Tokio (JAPANMARKT) – Der Brandanschlag auf ein Manga- und Anime-Studio in Kyoto lenkt den Blick auf eine unter Druck stehende Branche. Der demografische Wandel und die rasante Digitalisierung drücken die Manga-Auflagen. Daher verfolgen einige Künstler neue Ansätze.

Fallende Nachfrage

Seit ihrem Siegeszug in den sechziger Jahren werden Manga in Japan über Magazine verbreitet. Aber die Generationen, die mit dieser Art von gedruckter Unterhaltung aufgewachsen sind, nähern sich dem Rentenalter. Gleichzeitig lassen sich Mangas heute auf mobilen Gerätern wie E-Readern und Smartphones lesen.

Daher sind die Auflagen der Manga-Magazine in den Sinkflug übergeganen. Die wöchentliche Ausgabe von „Shonen Jump“ vom Verlag Shueisha erreichte 1994 den Guinessbuch-Rekord von 6,53 Millionen Stück. Inzwischen druckt der Verlag gemäß einem Bericht der Finanzzeitung Nikkei „nur“ noch wöchentlich 1,7 Millionen Stück, fast vier Mal weniger als vor 25 Jahren.

Zwar sorgt die elektronische Verbreitung für einen Ausgleich. Der Umsatz mit E-Mangas kletterte im Jahr 2017 auf 171,1 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro). Diese Summe war erstmals höher als der Umsatz von 166,6 Milliarden Yen mit gedruckten Büchern. Mangas dominieren den E-Buchmarkt in Japan.

Geschwächte Verlagsmacht

Ähnlich wie bei Büchern hat diese Digitalisierung die Macht der Verlage über den Markt und die Künstler geschwächt. Der Mangaka Takashi Yoshida zum Beispiel vertrieb seine eigene Manga-Serie zunächst allein über das Internet und behielt die Online-Rechte, nachdem ein Verlag seine Mangas druckte. Er wollte direkt mit seinen Lesern kommunizieren und diesen Kanal nicht seinem Verlag überlassen.

Der Manga-Künstler Norifusa Mita zog einen anderen Schluss aus der Marktentwicklung. Statt seine Werke selbst zu realisieren, entwarf er die Charaktere und Dialogszenen und ließ die Geschichte dann von einer Produktionsfirma unter seiner engen Anleitung umsetzen und zeichnen.

Dennoch gehen Marktbeobachter davon aus, dass die japanische Mangaindustrie ihren Höhepunkt überschritten hat. Zum Beweis verweisen sie auf den Trend, dass die Verlage lieber etablierte Serien und Titel weiterentwickeln als etwas Neues zu wagen. Dadurch lassen sich jedoch nur wenig neue Konsumenten finden.

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