Tokio (JAPANMARKT) – Jerome Chouchan verdreifachte den Umsatz von Godiva Japan innerhalb von sieben Jahren. Seinen Geschäftserfolg führt der Belgier auf die Philosophie des japanischen Bogenschießens zurück.

Fokus auf die Form

Sein Buch „TARGET“ mit dem Untertitel „Wie Godiva den Umsatz in fünf Jahren verdoppelte“ verkaufte sich in Japan so gut, dass im vergangenen Jahr eine englische Übersetzung veröffentlicht wurde. Denn die Lehren von Chouchan bei Godiva Japan lassen sich auf jedes Unternehmen anwenden.

Das zentrale Argument des Belgiers läuft auf einen Vergleich mit der Kyudo-Kunst (wörtlich: der Weg des Bogens) hinaus. Beim japanischen Bogenschießen kommt es in erster Linie auf die richtige Form des Schussses an. Stimme die Form, treffe der Schütze sein Ziel von selbst. Noch radikaler formuliert: Das Ziel komme zum Schützen.

Auch Unternehmen verfolgten ständig Ziele, referierte der Buchautor, Kyudo-Praktizierender seit 25 Jahren, kürzlich im Auslandskorrespondentenklub, meistens seien es Zahlen für Gewinn und Umsatz. Aber die Manager sollten ihr Ziel nicht um jeden Preis anstreben und sich lieber auf die Form des Geschäfts konzentrieren, warnte Chouchan. Dann erreichten sie die Ziele von selbst.

Massen- und Luxusmarke

Beispiel Godiva: Der Hersteller von Luxusschokolade in Japan strebt „erinnerungswürdige Gelegenheiten von Glücksgefühl“ für seine Konsumenten an. „Diese Idee ist sehr japanisch, aber spricht auch westliche Manager an“, erläuterte der Godiva Japan-Chef: „Man beachtet die richtige Form, ohne ständig das Ziel im Auge zu haben.“

Aus diesem Ansatz heraus entwickelte Chouchan sein spezielles Geschäftsmodell für Japan. Die schokoladigen Produkte von Godiva sollten sowohl luxuriös als auch allgemein zugänglich und bezahlbar sein. „Das ist eigentlich unlogisch, da eine Luxusmarke nicht gleichzeitig eine Massenmarke sein kann“, gestand der Belgier.

Doch die Kombination des Unmöglichen ging auf: Godiva nutzt viele Verkaufskanäle in Japan – von eigenen Cafés mit Schokoladengetränken bis zu speziellen Angeboten für Mini-Supermärkten. Trotzdem zahlen die Konsumenten immer noch Luxuspreise für Godiva-Waren, obwohl sie fast überall verfügbar sind.

Foto: Godiva-Café (flickr/Like_the_Grand_Canyon CC BY-NC 2.0)