Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Post riskierte das Vertrauen vieler Bürger. Das trifft in der Folge die staatlichen Finanzen.

Viele Geschädigte

Nach eigenen Angaben hat die Postversicherung in 183.000 Fällen ihre Kunden beim Wechsel einer Lebensversicherung benachteiligt oder geschädigt. Zum Teil mussten sie Prämien doppelt bezahlen, zum Teil verloren sie ihre Versicherung wegen Krankheit, zum Teil verschlechterten sich ihre Vertragsbedingungen. Die Finanzaufsicht FSA leitete eine eigene Untersuchung ein.

Der Skandal erschütterte das Vertrauen der Bürger in eine öffentliche Institution mit tadellosem Ruf so sehr, dass der für September geplanten Verkauf der dritten und letzten Tranche des staatlichen Postbesitzes sich bis 2020 verzögern dürfte. Als Folge des Fehlverhaltens fielen die Aktienkurse der Dachgesellschaft Japan Post Holdings, der Versicherungssparte Japan Post Insurance sowie der Japan Post Bank auf Tiefststände.

Überhöhte Ziele

Als Ursache für die Praktiken identifizierte die Postführung die überzogenen Vorgaben für den Vertrieb. Gemeint sind das extreme Niedrigzinsumfeld, das eine Kapitallebensversicherung unattraktiver macht, sowie die alternde und sinkende Bevölkerung, die den Verkauf von Policen natürlich erschwert.

Die Entwicklung bringt die Post jedoch in eine Zwickmühle. Die Vertriebsprovisionen aus den Bank- und Versicherungsdiensten bilden eine wichtige Gewinnsäule der Post. Anders als die Geschäftsbanken darf sie aber keine Kredite vergeben und kaum Finanzprodukte verkaufen.

Wegen dieser gesetzlichen Beschränkungen gelten die Aktien der drei Post-Gesellschaften als wenig attraktiv. Daher verkauft der japanische Staat seine Anteile seit November 2015 vor allem an Privatanleger und lockt sie mit den Versprechen von stabilen Kursen und einer hohen Dividende an. Das dürfte jedoch beim nächsten und voraussichtlich letzten Mal wohl nur noch klappen, falls sich die Aktienkurse wieder auf das Niveau der früheren Ausgabepreise erholt haben.

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