Tokio (JAPANMARKT) – Japan gibt erneut mehr Geld für Verteidigung aus. Dabei geht es auch um die Abwehr von Raketen aus China und Nordkorea.

Neue Waffen

Seit dem Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un Ende Juni am innerkoreanischen Grenzort Panmunjom hat das nordkoreanische Militär siebenmal Raketentests durchgeführt. Zum Einsatz kamen dabei mindestens zwei neue Kurzstreckensysteme. Zuletzt testete Pjongjang einen mobilen, nach eigenen Angaben „supergrossen“ Raketenwerfer; zuvor registrierten ausländische Geheimdienste mehrere Testflüge einer neuen Kurzstreckenrakete, die von den USA seit Mai als KN-23 bezeichnet wird.

Eigentlich untersagen Resolutionen des Uno-Sicherheitsrates Nordkorea das Testen von ballistischen Raketen jeder Reichweite. Doch US-Präsident Donald Trump tolerierte die Aktionen bisher. Japan schätzt die Tests anders ein. Mit den neuen, schwerer abzufangenden Waffen beabsichtige Nordkorea den japanischen Raketenabwehrschirm zu durchbrechen, erklärte Verteidigungsminister Takeshi Iwaya vergangene Woche, ohne in Details zu gehen.

Geld für Raketenschild

Derzeit schützt sich Japan mit mehreren Batterien von Patriot-Abwehrraketen sowie dem amerikanischen Aegis-Raketenabwehrsystem auf eigenen Zerstörern im Meer vor Nordkorea. Ein zweiter, landgestützter Schild, Aegis Ashore, soll bis 2023 stehen. Gerade hat Washington den Verkauf von 73 Flugabwehrraketen im Wert von 3,3 Milliarden Dollar an Tokio genehmigt.

Der Entwurf für das Verteidigungsbudget von 2020 sieht Ausgaben von insgesamt 5,3 Billionen Yen (45,3 Milliarden Euro) vor. Das wären 1,2 Prozent mehr als im laufenden Jahr. Für den Aufbau des landgestützten Raketenabwehrschirms sind 12,2 Milliarden Yen eingeplant. Deutlich teurer sind sechs F-35B-Kampfflugzeuge, die auf Schiffen stationiert werden sollen.

Gleichzeitig zeichnet sich seit kurzem eine Alternative ab: Der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper will „eher früher als später“ Raketen in Asien stationieren. Die Option von US-Mittelstreckenraketen auf eigenem Territorium ist jedoch in Japan umstritten, weil sie die Beziehungen zu Russland und China voraussichtlich schwer belasten würde.

Foto: Japanische Patriot-Raketenabwehrbatterie (U.S. Air Force photo by Airman 1st Class Sadie Colbert)