Tokio (JAPANMARKT) – Die Verbindungen zwischen Japans Unternehmen lockern sich weiter. Die Überkreuzbeteiligung wird zum Instrument von gestern.

Nutzen und Risiken

Laut Daten des Finanzdienstleisters Nikkei ging die Zahl der gegenseitigen Beteiligungen von Gesellschaften außerhalb der Finanzbranche im Geschäftsjahr 2018 (bis 31. März 2019) um rund 2.200 auf 75.650 zurück. Im Verlauf der vergangenen fünf Jahren schrumpfte diese Zahl um insgesamt 10.000. Das entspricht einem Minus von zwölf Prozent.

Zugleich hat sich das Abbautempo dieser Überkreuzbeteiligungen seit 2014 um fast die Hälfte gegenüber den Vorjahren verschärft. Damals verabschiedete Japan einen Katalog von Verhaltensregeln für institutionelle Investoren. Im Vorjahr wurde dieser Stewardship Code verschärft.

Seitdem müssen die Unternehmen den Nutzen und die Risiken von gegenseitigen Beteiligungen offenlegen. Der Kerngedanke dahinter: Ein Unternehmen als Aktionär drängt weniger auf gute Leistungen des Partners, weil die Anteile kein Investment sein, sondern die enge Geschäftsbeziehung unterstreichen sollen.

Recruit und KDDI

Diese Entwicklung ist recht dramatisch: Auf dem Höhepunkt der Spekulationsblase mit Aktien und Immobilien 1990 waren rund 34 Prozent der Marktkapitalisierung aller börsennotierten Firmen im Besitz eines anderen Unternehmens. Dieser Anteil ist laut Daten des Nomura Institute of Capital Markets Research auf rund zehn Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr gesunken.

Allerdings gibt es noch Ausnahmen: Rund 30 Prozent der Anteile des zweitgrößten Telekom-Unternehmens KDDI befinden sich in den Händen anderer Unternehmen, darunter Kyocera, Toyota und Chubu Electric Power. Toyota und Suzuki verkündeten kürzlich eine gegenseitige Beteiligung. Diese Konstruktion kann jedoch auch nach hinten losgehen.

So brach der Aktienkurs des Personaldienstleisters Recruit kürzlich ein, weil dreizehn Unternehmen ihre Anteile als Reaktion auf einen Skandal plötzlich verkauften. Rund 20 Prozent der Recruit-Aktien werden von anderen Unternehmen gehalten. Das Management von Recruit musste mit einem Aktienrückkauf gegensteuern.

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