Tokio (JAPANMARKT) – Das Bruttoinlandsprodukt von Japan ist im zweiten Quartal etwas langsamer gewachsen als zunächst geschätzt. Der Unterschied zwischen Binnenmarkt und Außenhandel bleibt auffällig.

Weniger Investitionen

Laut den neuen Daten legte die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu, ein Viertel weniger stark als vor einem Monat kalkuliert. Der Hauptgrund für die Korrektur: Die privaten Unternehmen haben im Vierteljahr zwischen April und Juni ihre Kapitalausgaben nur um 0,2 Prozent zum Vorquartal gesteigert. In der ersten Schätzung des Wachstums gingen die Statistiker noch einem Plus von 1,5 Prozent aus.

Am Gesamtbefund der derzeitigen Wirtschaftslage ändert sich jedoch wenig: Wir beobachten weiter eine feste Inlandsnachfrage einerseits und eine schleppende Auslandsnachfrage andererseits. Gemeint ist: Auf dem Binnenmarkt wachsen private Investitionen und privater Konsum, während die Exporte schwächeln, etwa bedingt durch Handelsstreitigkeiten.

Nun richten sich die Blicke auf die Erhöhung der Umsatzsteuer im Oktober um zwei Punkte auf zehn Prozent. Wird dies den privaten Konsum treffen? Zumindest hat sich die Stimmung unter den sogenannten Frontline-Beschäftigten wie kleinen Händlern und Taxifahrern verschlechtert. Der sogenannte Ausblickindex fiel im August auf den niedrigsten Wert seit März 2014.

Geringere Bonuszahlung

Im Juli steigerten die Haushalte ihre Ausgaben um 0,8 Prozent den achten Monat hintereinander. Jedoch fielen sie um 0,9 Prozent zum Vormonat, als die Ausgaben auf Jahressicht um 2,7 Prozent zulegten. Offenbar motivierte nicht einmal die Aussicht auf den Anstieg der Preise im Oktober zum Kaufen. Bei der letzten Erhöhung der Umsatzsteuer um drei Punkte auf acht Prozent – das war im April 2014 – hatte es weit mehr vorgezogene Käufe von langlebenden Konsumgüter gegeben.

Die Zurückhaltung der Verbraucher könnte auch mit der Lohnentwicklung zusammenhängen. Im Juli gingen die realen Bareinnahmen um 1,0 Prozent zum Vorjahr den siebten Monat in Folge zurück. Dies lag vor allem an niedrigeren Bonuszahlungen, weil viele Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr weniger verdienten. Immerhin stiegen die Einkommen von Haushalten mit mindestens zwei Mitgliedern um 1,1 Prozent zum Vorjahr. Hier wirkte sich vermutlich die steigende Erwerbstätigkeit von Frauen aus.

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