Tokio (JAPANMARKT) – Die OECD drängt auch Japan dazu, dass mehr Menschen länger arbeiten. Das würde den Sozialstaat entlasten.

Hohes Rentenalter

Laut der Studie steigt die Zahl der Menschen im Alter von über 50 Jahren in Japan von 46 je 100 Arbeitnehmern im Jahr 2018 auf 59 pro 100 Arbeitnehmer im Jahr 2050. Dieser Anstieg um fast 40 Prozent fällt geringer aus als in anderen OECD-Staaten, weil das effektive Rentenalter in Japan relativ hoch ist.

Japan liegt in Sachen Altersarbeit international weit vorn. Der Erwerbsanteil der 55- bis 64-Jährigen liegt bei 75,2 Prozent, fast 14 Punkte über dem OECD-Schnitt. Der Spitzenreiter ist Island mit 80,6 Prozent. Japaner gehen effektiv erst mit 70,8 Jahren in Rente, OECD-weit sind es 65,4 Jahre. Hier setzt Korea mit 72,3 Jahren den OECD-Höchstwert.

Dualer Arbeitsmarkt

„Japan hat bereits eine der höchsten Erwerbsquoten für ältere Menschen in der OECD“, sagte Stefano Scarpetta, OECD-Direktor für Beschäftigung, Arbeit und Soziales, bei der Vorstellung des Berichts in Tokio. „Aber Japan muss mehr tun, um seinen Arbeitsmarkt für Frauen, nicht reguläre Arbeitnehmer und die vielen Arbeitnehmer, die nach der obligatorischen Pensionierung mit 60 Jahren einem Arbeitsplatzwechsel ausgesetzt sind, integrativer zu gestalten.“

Konkret empfiehlt die OECD in ihrer Studie, die Zweiteilung des Arbeitsmarktes in reguläre und irreguläre Arbeitnehmer zu bekämpfen. Auch Investitionen in lebenslanges Lernen seien notwendig, damit ältere Arbeitnehmer ihre Fähigkeiten verbessern und dadurch weiter beschäftigt werden können. Auch die Arbeitsplätze müssten qualitativ besser werden, um eine längere Lebensarbeitszeit zu ermöglichen. Deswegen müsse Japan die Überstunden verringern und den Arbeitsstil verbessern.

Unterstützung für Frauen

Darüber hinaus forderten die OECD-Experten von Japan, eine stärkere Beteiligung von jüngeren Frauen am Arbeitsmarkt fördern. Das würde dazu beitragen, den prognostizierten Rückgang der Erwerbsbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten abzufedern. Mi knapp 79 Prozent im Jahr 2018 liegt die Teilnahmequote von Frauen in der Altersgruppe 25 bis 54 Jahre in Japan deutlich unter der in einer Reihe anderer fortgeschrittener OECD-Länder.

Selbst für die japanischen Frauen, die nach der Geburt von Kindern wieder ins Berufsleben zurückkehren, ist die schlechte Arbeitsplatzqualität ein großes Problem, meint die OED, weil viele keine regulären Jobs bekommen. Japan müsse mehr Möglichkeiten für flexible Arbeitszeiten schaffen, damit Frauen ihre Arbeit und die Verantwortung für die Betreuung von Kindern und älteren Eltern besser bewältigen können, heisst es in der Studie.

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