Tokio (JAPANMARKT) – Nach Sonne und Wind will Japans Regierung vermehrt Erdwärme als saubere Stromquelle anzapfen. In der Anfangsphase soll der Staat direkt helfen.

Teure Testbohrung

Konkret geplant ist, dass die staatliche Energieagentur Jogmec ab dem nächsten Jahr im Auftrag potenzieller Entwickler Testbohrungen durchführen will. Das entlastet die privaten Auftraggeber, weil das finanzielle Risiko einer Fehlbohrung nun teilweise vom Staat übernommen wird.

Eine Bohrung kann zwei Jahre dauern und mehrere Millionen Euro kosten. Bis zum Betrieb eines Kraftwerks können bis zu zehn Jahre vergehen. Die staatlichen Subventionen über einen garantierten Einspeisetarif decken zwar einen Teil der Kosten ab, aber der private Sektor verlangte eine stärkere Beteiligung des Staates.

Der Vorstoß der Regierung könnte dazu beitragen, dass die Geothermie neben Solar- und Windkraft sich als weitere Quelle von erneuerbaren Energien etabliert. Laut dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie verfügt Japan nach den USA und Indonesien über die weltweit größten Reserven an geothermischer Energie.

Starke Regulierung

Das Potenzial von Erdwärme in Japan wird auf 23 Gigawatt geschätzt, so viel wie 23 moderne Atomreaktoren. Diese Quelle hat den Vorteil, rund um die Uhr gleichbleibend Strom zu liefern. Aber die bisher installierte Kapazität beträgt lediglich 500 Megawatt.

Dennoch zeigt die Regierung bislang wenig Ehrgeiz: Der Anteil der Erdwärme an der landesweiten Stromproduktion soll bis 2030 lediglich von zuletzt 0,3 Prozent auf 1 Prozent steigen. Das könnte sich nun ändern, da das zuständige Ministerium auch die regulatorischen Auflagen für Erdwärmekraftwerke vereinfachen will.

Die Umweltprüfungen sind für Anlagen über 7,5 Megawatt vorgeschrieben und dauern im Schnitt vier Jahre, weil sie bestehende Onsen-Hotels gefährden sowie Erdbeben auslösen könnten. Zur Vermeidung der Untersuchung sind einige Entwickler auf den Bau von kleineren Anlagen mit weniger als 7,5 Megawatt ausgewichen. Hier wurde zuletzt ein Boom beobachtet.

Foto: Dampfende Erde in Hokkaido (© Martin Fritz)