Tokio (JAPANMARKT) – Die Verschiebung des Börsengangs von „The We Company“ stellt das Geschäftsmodell der Softbank Group und ihres Vision Fund auf den Prüfstand. Der geplante Nachfolgefonds gerät in Gefahr.

Riskante Strategie

Bisher treibt Softbank-Chef Masayoshi Son den Wert eines Technologie-Start-ups durch hohe Einstiegssummen über mehrere schnelle Finanzierungsrunden in die Höhe, um die erzielten Buchgewinne bei einem Börsengang zu realisieren. Beispiel Wework, neuerdings „The We Company“: Bei der letzten Kapitalspritze im Januar bewertete Softbank das Immobilienunternehmen mit 47 Milliarden Dollar und hätte einen entsprechenden Ausgabepreis an der Börse gebraucht.

Aber diesmal ging das System nach hinten los: Die potenziellen Aktienzeichner akzeptierten für Wework nur einen Wert von 15 bis 20 Milliarden Dollar. Aufgrund des Besitzanteils von 29 Prozent hätte Hauptinvestor Softbank je nach Berechnung der investierten Summen bis zu 9,3 Milliarden Dollar Verlust bilanzieren müssen. Durch die Verschiebung des Börsengangs kann Softbank die bisherige hohe Bewertung von Wework auf dem Papier vorläufig beibehalten.

Zweifel am Nachfolgefonds

Jedoch ist der gescheiterte Börsengang von Wework nicht der einzige Indikator dafür, dass der volatile Vision Fund die Aktionäre der Softbank Group direkt trifft. Im Mai verkündete Konzernchef Son anlässlich der Zahlen für das erste Quartal stolz einen Wertgewinn des Vision Fund um 29 Prozent. Aber aktuell liegen von den sechs Unternehmen, die an die Börse gingen, nur zwei über dem Ausgabepreis. Daher erwarten Analysten Abschreibungen in der nächsten Quartalsbilanz.

Schuld an dieser Lage ist die Konstruktion des Fonds: Die Wertveränderungen der Investitionen werden über die Softbank Group verbucht, während andere Kapitalgeber unabhängig vom Abschneiden an der Börse eine Jahresdividende von sieben Prozent erhalten. Diese Konstruktion dürfte mögliche Kapitalinvestoren für den geplanten zweiten Fonds eher abschrecken, da bei einem Ausstieg aus dem Investment hohe Verluste drohen.

Foto: Softbank Vision Fund