Tokio (JAPANMARKT) – Der Gouverneur der japanischen Notenbank, Haruhiko Kuroda, betrachtet die Idee einer zusätzlichen monetären Lockerung „positiver“ als vor zwei Monaten, da die weltwirtschaftlichen Risiken gestiegen seien. Doch der Zeitpunkt bleibt offen.

Uneinige Analysten

Die Währungshüter würden die Wirtschafts- und Preisentwicklung bei ihrem nächsten Treffen Ende Oktober überprüfen, versprach Kuroda nach dem Treffen des Lenkungsrates der Bank of Japan, bei dem die bisherige Geldpolitik beibehalten wurde. Wie bei dem vorigen Treffen stimmten sieben der neun Notenbanker dafür. Damit trotzte ausgerechnet der globale Pionier für das Quantitative Easing dem Trend in Europa und den USA, die geldpolitischen Zügel erneut zu lockern.

Ein Teil der Analysten bewertete die Aussage von Kuroda als eine „effektive“ Ankündigung einer zusätzlichen Lockerung. Tobias Basse von der NordLB meinte, es gebe bei der Bank of Japan Bedenken, dass sich die Negativzinsen auf die Finanzmarktstabilität in Japan auswirken könnten. Dies halte sie davon ab, in die geldpolitische Trickkiste zu greifen. Die Zentralbanker sorgten sich aber immer mehr um einen zu geringen Preisauftrieb, erklärte Basse.

Nachzügler statt Pionier

Dass Japans Notenbank sich vom Pionier zum Nachzügler entwickelt hat, dürfte zum einen mit der Anfang Oktober in Japan anstehenden Erhöhung der Umsatzsteuer um zwei Punkte auf 10 Prozent zusammenhängen. Sollte der private Konsum deswegen einbrechen, hätte die Notenbank ein starkes Argument, den Negativzins trotz des starken Widerstandes der Banken anzuheben.

Zum anderen hielt sich trotz der weltweiten Dollarstärke die Aufwertung des Yen bisher relativ in Grenzen. Der Wechselkurs kletterte zuletzt auf 108 Yen je Dollar, als Handlungsschwelle für die Notenbanker gilt jedoch 100 Yen je Dollar. Die japanische Währung dient bei Ängsten an den Finanzmärkten als „Fluchtwährung“.

Foto: Bank of Japan in Tokio (Wikipedia CC BY-SA 3.0)