Tokio (JAPANMARKT) – Der G20-Stabilitätsrat für den Finanzmarkt rief und Japans Unternehmen hörten. Nun führen sie weltweit bei der Aufklärung ihrer Klimarisiken.

Rahmenwerk gegen Krise

Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England, warnte die Akteure des Finanzmarktes in einer berühmten Rede im Jahr 2015, dass der Klimawandel das Potential habe, die Stabilität der Finanzmärkte zu gefährden. Die G20 hatten den Stabilitätsrat, dem Carney vorstand, eingeführt, um frühzeitig Finanzrisiken zu identifizieren und einzudämmen.

Die G20-Finanzminister beauftragten den Stabilitätsrat auch mit der Frage, ob der Finanzsektor den Klimawandel berücksichtigen muss. Dafür soll die Privatwirtschaft ihre Risiken im Rahmen einer „Task Force on Climate-Related Financial Disclosures“ offenlegen.

Weltweiter Vorsprung

172 große japanische Unternehmen, darunter Mazda, Nomura und Sony, haben sich an dieses Rahmenwerk gehalten. Damit liegt Japan deutlich vor den 107 Unternehmen aus den USA sowie 109 Unternehmen aus Großbritannien, wie die Financial Times berichtete. Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen in diesem Monat werden ihre Zahlen diskutiert. Dort will der Stabilitätsrat weitere Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel vorstellen.

Zum Beispiel veröffentliche die Geschäftsbank Sumitomo Mitsui ihre Risiken durch extremes Wetter und berichtete von ihren Einkommensmöglichkeiten durch die Finanzierung von Kraftwerken für erneuerbare Energien. Bis Ende 2020 sollen nach dem Willen des Umweltministeriums mindestens 100 Unternehmen ihre geplanten Verringerungen des CO2-Ausstosses unabhängig untersuchen lassen.

Von wegen Nachzügler

Bis vor kurzem galt Japan im Vergleich zu Europa in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Fragen als Nachzügler. Seine Unternehmen setzten sich auch weniger lautstark als einige US-Konzerne für grüne Themen auf der Weltbühne ein. Doch im Stillen hat Japan große Fortschritte gemacht.

So stieg das Anlagevermögen in Japan, das nach den Prinzipien Umwelt, Sozial und Governance (Kürzel: ESG) investiert ist, von 2016 bis 2018 um das Vierfache auf zwei Billionen Dollar, so die Zahlen der Global Sustainable Investment Alliance.

Foto: Blick auf Roppongi Hills (© Martin Fritz)