Tokio (JAPANMARKT) – Liebhaber von Whisky aus Japan, aufgepasst. In den Flaschen aus Japan befindet sich vermehrt Whisky aus dem Ausland.

Laxes Regelwerk

Bei Weißwein sorgen staatliche Vorschriften dafür, dass der Flascheninhalt und der Herstellungsprozess komplett japanisch sind. Für Whisky gibt es diese Regeln nicht. Dieser Mangel ermöglicht es den Herstellern, „japanischen“ Whisky zu vermarkten, der zu großen Teilen nicht japanisch ist.

Der Grund für diesen Trend: Es gibt nur wenig guten und alten japanischen Whisky, weil die Produktion nach den 1980er-Jahren stark zurückging. Aus diesem Grund stellte Suntory im Vorjahr das begehrte Produkt „Hibiki 17“ ein. Auch andere Hersteller wie Nikka stehen vor der gleichen Herausforderung.

Angesichts der laxen Regulierung ist die Lösung einfach: Durch den Zusatz von ausländischem Whisky lässt sich die Menge an Japan-Whisky erhöhen. Nikka zum Beispiel besitzt seit 1989 eine Brennerei in Schottland. Für Puristen ist das Ergebnis aber kein Japan-Whisky mehr. Dagegen muss Bourbon aus den USA und Scotch aus Schottland kommen.

Steigende Importe

Wer die Flaschen der hochwertigeren Whisky-Sorten in den Regalen von besseren Supermärkten sowie Fachgeschäften in Japan genauer betrachtet, wird inzwischen feststellen, dass darauf einerseits die Altersangabe für den Inhalt immer häufiger fehlt und andererseits die Wörter „Blended“ oder „Blend“ immer öfter auftauchen. Der Trend geht zum „World Blend“.

Der Finanzdienst Bloomberg legte offen, dass der Import von kanadischem Whisky nach Japan im Jahr 2017 um 70 Prozent höher war als vier Jahre zuvor. Der Absatz von kanadischem Whisky stagnierte in dieser Zeit jedoch. Der Unterschied legt nahe, dass der importierte Whisky japanischen Erzeugnissen beigemischt wurde.

Foto: Original japanischer Whisky in der Brennerei Chichibu (© Martin Fritz)