Tokio (JAPANMARKT) – Japans größter Nahrungsmittelhersteller Ajinomoto hat große Pläne. Dabei steht ausgerechnet sein erfolgreichstes Produkt im Weg.

Salz einer Aminosäure

Ajinomoto bedeutet wörtlich „Geschmacksessenz“ und bezeichnet in Japan den Würzstoff Mononatriumglutamat, das Natriumsalz der Glutaminsäure. Dieser Stoff ist natürlich in vielen Lebensmitteln enthalten. Bekannte Beispiele sind getrocknete Tomaten, Parmesankäse, Hefeextrakt, geräucherter Lachs, Tartar, Sojasoße und getrockneter Bonito-Fisch.

Das Mononatriumglutamat geht auf den Chemiker Kikunae Ikeda zurück. Er fand heraus, dass dieser Stoff den fünften Geschmackssinn des Menschen anspricht, den er umami nannte. 1908 beantragte er ein Patent. Sein Geschäftspartner Saburosuke Suzuki vermarktete das streuförmige Würzmittel als Ajinomoto, später übernahm das Unternehmen auch den Markennamen. Im Ausland wird der Stoff als MSG oder Glutamat verkauft.

Heute kontrolliert Ajinomoto 80 Prozent des japanischen Marktes für Würzmittel und 20 Prozent des weltweiten Konsums von Glutamat. Der Ehrgeiz ist viel größer: Die Japaner möchten unter die Top-10-Nahrungsmittelriesen der Welt vorstoßen. Doch der Ruf des Unternehmens leidet unter dem „China-Restaurant-Syndrom“, das seit Ende der 1960er Jahre durch die Welt geistert. Gemeint ist: Chinesische Restaurants benutzen zu viel Glutamat als Geschmacksverstärker und verursachen ihren Kunden dabei Kopf- und Gliederschmerzen.

Werbung über soziale Medien

Nach der Jahrtausendwende hoffte Ajionomoto auf ein Ende solcher Vorbehalte gegen ihr wichtigstes Produkt. Damals entstand in vielen Küchen ein regelrechter Umami-Hype. Die Japaner versuchten dies mit Glutamat zu verknüpfen, aber offenbar vergeblich. „Umami wird hoch bewertet, aber das negative Image von MSG bleibt“, klagte Ajionomoto-Chef Takaaki Nishii im Juli.

Deswegen läuft eine auf drei Jahre angelegte Werbekampagne für den Würzstoff für zehn Millionen Dollar. Dabei setzt das Unternehmen diesmal nicht auf Werbeagenturen und Wissenschaftler, sondern auf Influencer in sozialen Medien. Gegen Honorar veröffentlichen sie positive Videos, Fotos und Blogeinträge über Glutamat. Das Ziel ist definiert: Ajinomoto soll endlich eine starke globale Marke werden.

Foto: Ajinomoto in Japan (flickr/Yu Morita CC BY SA 2.0)