Tokio (JAPANMARKT) – Ein Gacha-Automat spuckt Kapseln mit Spielzeug aus, deren Inhalt man vorher nicht sehen kann. Jetzt führt Nintendo dieses Prinzip erstmals für ein eigenes Smartphone-Spiel ein.

Mario Kart Tour

Die Hersteller von kostenlosen Smartphone-Spielen verdienen ihr Geld damit, den Spielern das zu Recht verkaufen, mit Geräten, Waffen und anderes Extras leichter und schneller voranzukommen. Bei dem neuen Nintendo-Spiel „Mario Kart Tour“ sind dies zum Beispiel größere Motoren und bessere Fahrer für die Autos.

Doch Gacha bedeutet, dass die Spieler für ihr Geld nicht unbedingt das erhalten, was sie sich wünschen. Sie müssen nämlich unter Verwendung einer virtuellen Währung, die sie vorher gekauft haben, innerhalb des Spiels einen Glücksspielautomaten bedienen, der dem Spieler ein Extra nach dem Zufallsprinzip zuteilt.

Neun der zehn umsatzstärksten Videospiele in Japan im Vorjahr setzten auf das Gacha-Prinzip, um ihre Nutzer zur Kasse zu bitten. Der Mechanismus gilt als Grund dafür, dass japanische Videospieler die höchsten Umsätze pro Kopf generieren. Das Wort Gacha bezieht sich ursprünglich auf das Geräusch beim Kurbeln der analogen Maschinen.

Vorreiter Belgien

Doch außerhalb von Japan ist das Prinzip wegen des potenziell süchtig machenden Glücksspielaspektes umstritten. Anfang Oktober verabschiedete ein Forum der Aufsichtsbehörden für Glücksspiele von 19 europäischen Ländern die Empfehlung, eindeutige Regeln für Gacha-Verkäufe innerhalb der Games aufzustellen. Belgien verbot bereits einige Spiele mit Gacha-Elementen.

Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt kommt das neue Smartphone-Spiel „Mario Kart Tour“ in Europa und dem Rest der Welt mit In-Game-Verkäufen nach dem Gacha-Prinzip auf den Markt. Nintendo geht noch ein anderes Risiko ein: Die Gacha-Glücksspiele widersprechen dem Image von Nintendo als einem familienfreundlichen Unternehmen.

Foto: Gacha-Automat (flickr/Derral Chen CC BY-SA 2.0)