Tokio (JAPANMARKT) – Die Förderung von digitalen Zahlungen scheint zu wirken. Damit hätte die Erhöhung der Verbrauchssteuer auch eine positive Auswirkung.

Bonuspunkte locken

In der ersten Woche nach der Steueranhebung auf zehn Prozent stieg laut einem Bericht der Finanzzeitung Nikkei die Zahl der bargeldlosen Transaktionen bei der Minisupermarktkette FamilyMart um 60 Prozent. Bei Lawson legten die Zahlungen mit Barcodes innerhalb von vier Tagen um 50 Prozent zu. Bei dieser Zahlungsmethode erhalten die Käufer zwei Prozent Rabatt.

Darüberhinaus läuft bis Juni 2020 ein staatliches Bonusprogramm bei einer halben Million kleinen Einzelhändlern. Die Kunden verdienen fünf Prozent ihrer bargeldlosen Einkäufe einschließlich Kreditkartenzahlungen in Einkaufspunkten. Die Verbraucher sparen also zusätzliche drei Prozent gegenüber Barzahlungen und bekommen die Steuererhöhung erstattet.

Diese Aussicht scheint viele Menschen zu motivieren, auf digitale Zahlungen umzusteigen. Die Anmeldungen für Line Pay verdoppelten sich im Oktober gegenüber dem Vormonat, ebenso bei der Gebrauchtwaren-App Mercari. Der Softbank-Bezahldienst PayPay steigerte seine Nutzerzahl binnen zwei Monaten um die Hälfte auf 15 Millionen.

Abkehr vom Bargeld

Damit scheint sich Japan auf den Weg zu einer bargeldlosen Gesellschaft zu machen, die von der Regierung angestrebt wird. Weniger Bargeld bedeutet für viele Einzelhändler weniger Kosten, unter anderem durch weniger Personaleinsatz. Bisher wickeln die Japaner 80 Prozent der Zahlungen mit Bargeld ab, dieser Anteil soll bis 2025 auf 60 Prozent sinken.

Die UBS Japan sieht noch zwei weitere wesentliche Gründe für eine Expansion digitaler Zahlungen in den nächsten Jahren. Erstens macht der Online-Einkauf laut der jüngsten METI-Umfrage derzeit erst sechs Prozent des Warenumsatzes in Japan aus. Da viele Onlinehändler digitale Punkte herausgeben, bedeutet mehr Online-Shopping auch mehr digitale Zahlungen.

Zweitens wird es in Japan zunehmend unbequemer, ohne Gebühren an Bargeld zu kommen. Da die Kreditmargen der Banken durch die negative Zinspolitik der Bank of Japan beeinträchtigt sind, schrumpft die Zahl der Bankfilialen und Geldautomaten. Daher werden mehr Japaner bargeldlos zahlen, was wiederum noch weniger Filialen und Geldautomaten erfordert.

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