Tokio (JAPANMARKT) – Japan und Südkorea wollen ihren Streit um Handel und Geschichte offenbar beilegen. Die nächste Woche bietet dafür eine große Chance.

Gespräch in Tokio

Sowohl Südkorea als auch Japan signalisierten zuletzt, dass sie eine Lösung ihres Zwistes anstreben, nachdem ihre Beziehungen auf einen langjährigen Tiefpunkt gesunken waren. Nun könnte Südkoreas Premierminister Lee Nak-yon am 23. oder 24. Oktober seinen japanischen Amtskollegen Shinzo Abe in Tokio treffen.

Lee sagte der Agentur Kyodo, er wolle die Rolle eines Boten zwischen Präsident Moon und Premier Abe übernehmen und voraussichtlich einen Brief von Moon mitbringen. Auch die japanische Seite signalisierte ihre Offenheit für eine Lösung. „Wir sollten den Dialog fortsetzen und solche Gelegenheiten (wie das Treffen mit Lee) nicht ausschließen“, sagte Abe im Parlament.

Doch der Hauptstreitpunkt ist nur schwer beizulegen, zumal starke nationale Emotionen mitschwingen. Das Oberste Gericht in Südkorea hatte im Herbst 2018 mehrere japanische Unternehmen dazu verurteilt, Zwangsarbeiter aus der Zeit der Kolonialherrschaft zu entschädigen. Nun werden Vermögenswerte der Unternehmen in Südkorea beschlagnahmt. Nach Ansicht der japanischen Regierung hat jedoch das bilaterale Abkommen von 1965 die Entschädigungsfrage abschließend geklärt. Deswegen verlangt sie die Einhaltung des Vertrages.

Ausloten von Kompromiss

Japan hat ein erstes südkoreanisches Kompromissangebot bereits abgelehnt. Danach hätten japanische und südkoreanische Unternehmen freiwillig in einen Fonds für die Entschädigung der Zwangsarbeiter eingezahlt. Südkorea suche nach einer Lösung ohne staatliche Beteiligung, sagte Südkoreas Botschafter in Japan, Nam Gwan-pyo, der Finanzzeitung Nikkei. Aber falls Japan eine gute Idee habe, werde man sie diskutieren.

Die Bereitschaft zum Kompromiss dürfte mit den wachsenden Kosten der bilateralen Auseinandersetzung zusammenhängen. Beide Länder haben sich gegenseitig von der Liste ihrer bevorzugten Handelspartner gestrichen. Hunderte von Unternehmen auf beiden Seiten brauchen nun Exportlizenzen, was den Warenhandel und wirtschaftlichen Austausch bremst. Jedoch sind beide Volkswirtschaften derzeit angeschlagen.

Zudem hat Japan unerwartete Streitkonsequenzen zu tragen. Die Zahl der südkoreanischen Touristen in Japan ist im August um rund 280.000 oder knapp 60 Prozent zum Vorjahr eingebrochen. Südkoreaner bilden hinter den Chinesen bisher die größte Gruppe der Japan-Touristen. Doch antijapanische Gefühle in Südkorea dämpften die Reiselust und verursachten einen sinkenden Absatz von Autos, Textilien und anderen Waren aus Japan.

Foto: Premierminister Shinzo Abe (Kantei)