Tokio (JAPANMARKT) – Mehr als ein halbes Jahr nach ihrer Einführung hat die japanische Regierung erst knapp 400 der neuen Arbeitsvisa ausgegeben. Die Ursachen sind komplex.

Schwaches Ergebnis

Das Arbeitsvisum mit dem Titel „qualifizierter Arbeiter“ soll Betrieben in vierzehn Branchen von Altersheimen bis zu Restaurants über den Arbeitskräftemangel in Japan hinweghelfen. Aber laut der Finanzzeitung Nikkei haben bisher erst 376 Ausländer ein solches Visum erhalten. Weitere 2.000 Bewerbungen lägen vor, über 2.000 andere Ausländer hätten den Sprachtest für den Visumantrag bestanden. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 40.000 Ausländer mit diesem Visum nach Japan kommen.

Ein Grund für die niedrige Zahl von erteilten Visa könnte die geringe Nachfrage aus erhofften Herkunftsländern wie Vietnam, Indonesien und Philippinen sein. Die Löhne in Japan sind nach zwanzig Jahren Deflation vergleichsweise niedrig. Daher sind Länder mit ähnlichen Einkommen wie Singapur, aber ohne die Sprachanforderungen von Japan attraktiver.

Ein zweiter Grund scheint zu sein, dass der Aufbau des bürokratischen Apparates für die Visumanträge mehr Zeit braucht als gedacht. Dazu gehören die Etablierung von Testzentren  für die Sprachprüfungen ebenso wie die Auswahl von seriösen Vermittlungsagenturen in den erwünschten Herkunftsländern.

Falsche Vorstellungen

Eine dritte Ursache liegt nach Ansicht der Finanzzeitung Nikkei darin, dass viele Arbeitgeber in Japan bei der Einstellung der Ausländer zögern. Anscheinend hadern sie damit, dass die Ausländer laut dem zum 1. April in Kraft getretenen Gesetz den gleichen Lohn wie japanische Arbeitskräfte bekommen müssen.

Eine vierte Ursache könnte das Misstrauen der Behörden in möglichen Ursprungsländern gegenüber dem japanischen Visumprogramm sein. Hier scheint es an Unterstützung zu fehlen. Denn die bisherigen Erfahrungen sind nicht positiv: Das alte Programm für ein dreijähriges, berufsqualifzierendes Training in Japan wurde oft zur Ausbeutung missbraucht.

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