Tokio (JAPANMARKT) – Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt ist auch für die Einhaltung der Arbeitsvorschriften in Unternehmen zuständig. Doch die Behörde scheint in diesem Bereich selbst kein strahlendes Vorbild zu sein.

Schwarze Organisation?

Eine interne Umfrage unter früheren und heutigen Beamten brachte eine hohe Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen im Ministerium an den Tag. Darüber berichteten japanische Medien. Ein Beamter beschrieb sein Arbeitsumfeld als „Friedhof des Lebens“. Offenbar meinte er damit, dass er aufgrund von Überarbeitung mit einem Bein im Grab stehe.

Ein anderer Befragter bezeichnete das Ministerium als „schwarze“ Organisation. So heißen in Japan Organisationen und Unternehmen mit miserablen Arbeitsbedingungen. Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt geht Hinweisen auf solche Zustände nach. Unter den Kriterien für die Einstufung als „schwarzes“ Unternehmen sind eine hohe Kündigungsquote sowie eine große Zahl an unbezahlten Überstunden.

Ineffizienter Arbeitsstil?

Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt hat laut einer Statistik die höchste Arbeitsbelastung pro 1.000 Mitarbeiter von allen Ministerien, unter anderem, weil es in viele Gesetzesvorhaben involviert ist. Doch die Umfrage brachte auch Hinweise auf ineffiziente Arbeitsmethoden ans Licht.

So dürfen die Mitarbeiter ihre Tablets nicht zu den Gesetzesberatungen in den Parlamentskomitees mitnehmen, was die Vorbereitung von Papieren für die Abgeordneten aufwändiger macht. Deswegen forderten jüngere Beamte eine Reform von Arbeitsweise und Organisation.

Die Beschwerden könnten den Trend unter Universitätsabsolventen stärken, lieber in die freie Wirtschaft zu gehen als eine Karriere als Ministerialbeamter einzuschlagen. Mehrere Verwaltungsreformen haben dazu geführt, dass mehr Machtfäden im Kabinett zusammenlaufen. Dadurch verlieren die Staatsdiener an Einfluss und Prestige.

Foto: Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt in Tokio (Wikipedia CC BY 3.0)