Tokio (JAPANMARKT) – Japan stellt weltweit die meisten Industrieroboter her. Die Beliebtheit von humanoiden Robotern könnte damit zusammenhängen.

Beseelte Maschinen

Korrespondenten sagen den Japanern gerne eine emotionale Beziehung zu Robotern nach, was wiederum die Vorliebe von japanischen Entwicklern für humanoide Maschinenwesen begründe. Zum Beweis verweisen ihre Berichte auf den Zweibeiner Asimo von Honda, den sprechenden Kirobo von Toyota, den berühmten Maschinenhund Aibo von Sony oder den rollenden Softbank-Automaten Pepper.

Laut diesen westlichen Beobachtern hängen Japaner der Naturreligion Shinto an und erkennen deswegen auch in Dingen und Sachen göttliche Wesen. Deswegen hielten Japaner die an sich leblosen Maschinen für beseelt und könnten zu ihnen eine quasi zwischenmenschliche Beziehung aufbauen. Zum Beispiel waren mechanische Puppen schon in der spätmittelalterlichen Edo-Zeit populär.

Stolz auf Fortschritt

Überzeugender scheint der Verweis auf die rasante Modernisierung von Japan in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu sein. In dieser Meiji-Zeit studierten die Japaner westliche Technologien, wandten sie selbst an und verbesserten sie schließlich. Seitdem treibt der Staat den technischen Fortschritt mit großem Aufwand an. Die Begeisterung für innovative Hochleistungen spiegelt sich auch in der Robotik wider.

Auch ein dritter Faktor ist nicht zu unterschätzen, der mit der Populärkultur zu tun hat – die Figur Astro Boy in einer Manga-Serie der 1950er und 1960er Jahre bekämpfte als Superheld Bösewichte, Spione und Verbrecher. Astro Boy begründete ein eigenes Manga-Genre mit Roboterfiguren.

Mehrere bekannte Roboterforscher wie Tomotaka Takahashi, Kiribo-Entwickler bei Toyota, nennen den Konsum von Astro-Boy-Mangas in ihrer Kindheit als Motiv für ihren Berufswunsch. Dass heutige Roboter in Japan oft wie niedliche Kinder aussehen, ist deshalb kein Zufall – ihr Design orientiert sich an den Roboter-Mangas.

Foto: Roboter Asimo (Honda)