Tokio (JAPANMARKT) – Die Notenbank in Japan hat ihre Bereitschaft für eine neuerliche Zinssenkung deutlicher als bisher kommuniziert, ihre ultralockere Geldpolitik jedoch nicht verändert. Denn es besteht kein Druck auf der Konjunkturseite.

Abwartende Haltung

Nach dem Treffen des Lenkungsrates im September hatte eine wachsende Zahl von Analysten die Erwartung geäußert, dass die Bank of Japan angesichts der schwachen Preisentwicklung und dem expansiven Vorgehen anderer Notenbanken ihre Zinsen ebenfalls senken würde. Jedoch hatte sich seit Ende vergangener Woche eine weitere abwartende Haltung abgezeichnet.

Die Bank of Japan (BoJ) beließ den Leitzins auf minus 0,1 Prozent und bestätigte das Renditeziel von 0,0 Prozent für 10-jährige Staatsanleihen. Jedoch passte die BoJ-Führung ihren Ausblick an. Nun heißt es, die kurz- und langfristigen Zinsen würden solange wie nötig auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben. Zuletzt sagte sie, der Zinssatz bliebe mindestens bis zum Frühjahr 2020 auf dem derzeitigen Stand.

Schaden im Blick

Damit reagierte die BoJ offenbar auf die relativ stabile Konjunktur in Japan sowie die Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins vorerst nicht mehr zu senken. Zugleich befreite sich Japans Zentralbank mit ihrer neuen Formulierung aus dem Dilemma, einerseits nicht zu handeln und andererseits zu beweisen, dass sie eine weitere Lockerung für möglich hält.

Mit ihrer abwartenden Haltung berücksichtigen die Notenbanker auch die Sorge in Japan, dass ein höherer Negativzins dem Finanzsystem schaden könnte. Die japanischen Banken seien für globale Finanzzyklen empfindlicher geworden, weil sie mehr ausländische Vermögenswerte erwerben, heißt es im halbjährlichen BoJ-Bericht über die Finanzstabilität in Japan.

Foto: Bank of Japan in Tokio (Wikipedia CC BY-SA 3.0)