Tokio (JAPANMARKT) – „Cash ist King“ – das galt lange auch in Japan. Seit Monaten aber liefern sich mehrere Anbieter einen harten Kampf um den lukrativen Markt des bargeldlosen Zahlens. Nur Japans größter Einzelhandelskonzern zögert noch – man will nicht den gleichen Fehler machen wie die Konkurrenz.

Der Markt für bargeldlose Zahlungssysteme in Japan ist nach wie vor sehr fragmentiert. Neben klassischen Kreditkarten und universal einsetzbaren Prepaid-Karten buhlen in jüngster Zeit Payment-Apps um Marktanteile. Noch bleibt Bargeld das Mittel der Wahl für 80 Prozent aller Zahlungen, doch die Akzeptanz von bargeldlosen Systemen wächst.

Die Anbieter der Payment-Apps ködern Japans Verbraucher mit Prämienpunkten und attraktiven Cash-Back-Erstattungen. Rakuten Pay lockt mit bis zu fünf Prozent Punkten bei Einkäufen in seinem E-Commerce-Marktplatz.

Der im Oktober gestartete Onlinehändler Paypay Mall verspricht in einer Jahresendkampagne gar Rückerstattungen von neun Prozent, wenn man per QR-Code der Paypay-App zahlt. Zudem können bei der gleichen Transaktion weitere Gutschriften gesammelt werden, so dass Prämien von maximal 20 Prozent möglich sind. Bis Ende Januar sollen bis zu zehn Billionen Yen (80 Milliarden Euro) an die Verbraucher ausgeschüttet werden.

Doch die Verbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist für die Anbieter kein Selbstläufer. Ende September musste Seven-Eleven, Marktführer bei Convenience Stores, seine mit viel Werbung gestartete App Seven-Pay einstellen. Hackern war es gelungen, auf Nutzerdaten zuzugreifen.

Vom Missgeschick des Wettbewerbers profitieren könnte Japans größter Einzelhandelskonzern Aeon. Dessen Kunden nutzen sehr häufig die Mitgliedskarte Waon mit Kreditfunktion. Eine echte Payment-App hat Aeon bisher noch nicht vorgestellt. Der Konzern ist aber stark in China vertreten, muss deshalb früher oder später eine entsprechende Cashless-Funktion per Smartphone anbieten.

Auch der Einzelhandel insgesamt darf sich den alternativen Zahlungssystemen nicht verschließen. In den Convenience Store-Ketten werden ein gutes Dutzend Zahlungssysteme wie Apps und Karten akzeptiert. Und selbst bei kleinen Händlern, in Bars und Restaurants sieht man inzwischen die roten Fahnen von Paypay.

Die japanische Regierung fördert die Verbreitung der neuen Zahlungssysteme auch in Hinblick auf die olympischen Spiele und den internationalen Touristenboom. Bis 2025 will sie dafür sorgen, dass mindestens 40 Prozent der Zahlungen bargeldlos abgewickelt werden.

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