Tokio (JAPANMARKT) – Shinzo Abe hat es geschafft – der 65-jährige ist der am längsten regierende Premierminister in der japanischen Geschichte. Hier ein Rückblick auf sieben Jahre „Abenomics“.

Abes wirtschaftspolitische Bilanz ist erstaunlich. Seine „Abenomics“ getaufte Politik hat für lang vermisste Impulse gesorgt. Geldpolitische Lockerung und wirtschaftliche Reformen brachten neue Dynamik. Die exportstarken Unternehmen sind wieder bereit, im eigenen Land zu investieren. In Tokio, Osaka und Fukuoka entwickelt sich eine lebendige Startup-Szene.

Gleichzeitig sorgte Abe für fiskalpolitische Stabilität und Vertrauen bei internationalen Gläubigern. Zweimal erhöhte er die Konsumsteuer, die Mehreinnahmen fließen in familienpolitische Maßnahmen und die Konsolidierung des Haushalts. Auch Anleger haben wieder Freude am japanischen Aktienmarkt. Der Nikkei-Index stieg seit Ende 2012 um 130 Prozent – und hängte dabei den DAX um Längen ab.

Zu seinen großen Verdiensten gehört es, Japan handelspolitisch zu öffnen und enger mit Europa zu vernetzen. Und selbst die USA hat er trotz zwischenzeitlicher Spannungen in ein Handelsabkommen einbinden können.

Außen- und innenpolitisch hat sich Abe mit seinen nationalkonservativen Ideen nicht nur Freunde gemacht. Die von ihm angestrebte Reform der pazifistischen Verfassung ist auch unter vielen Japanern umstritten. So hat er es bis heute nicht geschafft, das Recht der Selbstverteidigungsstreitkräfte zu verankern, auch an militärischen Einsätzen teilzunehmen. Seine strikte Einstellung gegenüber den Nachbarn hat zwischenzeitlich zu einer diplomatischen Eiszeit mit Südkorea und China geführt.

Abe sitzt heute längst nicht mehr so fest im Sattel wie über viele Jahre hinweg. Doch politische Skandale perlen an ihm ab – die jüngsten Rücktritte zweier Minister haben seine Rolle noch nicht ernsthaft in Gefahr gebracht. So dürfte Abe bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode bis 2021 an der Macht bleiben. Auf eine vierte Amtszeit als LDP-Parteivorsitzender will er aber verzichten.

Als er Ende 2012 antrat, hatte man geringe Erwartungen. Kaum einer von Abes Vorgängern hatte sich mehr als zwölf Monate im Amt halten können. Japan war das Sinnbild für politische Schwäche einer modernen Industriemacht. Inzwischen ist Shinzo Abe festes Mitglied im Club der G7-Regierungschef, nur Angela Merkel regiert schon länger als er.

Foto: flickr.com/Dick Thomas Johnson (CC BY 2.0)