Tokio (JAPANMARKT) – Japan hat ein Müllproblem, nicht erst seitdem China keinen Plastikmüll mehr annimmt. Kommunen und private Unternehmen setzen daher zunehmend auf Kreislauf-Lösungen. Ein Markt, der auch deutschen Anbietern Chancen bietet.

Japans Konsumgesellschaft verursacht immer größere Berge an Haus- und Verpackungsmüll. Die Mengen sind so groß, dass Japan seit den 90er Jahren immer mehr Plastikmüll ins Ausland brachte und gar zum größten Plastikabfallexporteur der Welt aufstieg. Seit 2018 ist das Problem besonders akut, denn China verhängte unerwartet einen Importstopp für Plastikmüll. Bis dahin hatte Japan jährlich rund 800.000 Tonnen Plastikabfälle nach China exportiert.

Dabei gibt es in Japan schon seit mehr als 25 Jahren ein Recyclinggesetz mit Vorschriften, um das 3R-Prinzip umzusetzen – Reduce, Reuse, Recycle. Wer aber den japanischen Alltag erlebt, der fragt sich, was davon wirklich praktiziert wird: Kunststoffbecher und Plastikstromhalme sind nach wie vor weit verbreitet, genauso wie Einwegbehälter für Lunch-Boxes und unnötige Schönheitsverpackungen. Zudem wird ein großer Teil des Plastikmülls nicht wiederverwendet, sondern verbrannt – immerhin meistens zur Stromgewinnung.

Einige japanische Entsorger sind, was die Verwendung von Kunststoffen angeht, durchaus fortgeschritten. Bei PET-Flaschen etwa ist die Recyclingquote extrem hoch. Coca-Cola und andere Softdrinkhersteller betreiben eigene Recyclinganlagen.

Auch Textilrecycling kommt langsam in Mode. In Japan entstehen jedes Jahr eine Million Tonnen Kleidungsmüll. Bisher wurde 90 Prozent davon verbrannt. Das Unternehmen JEPLAN hat in Kitakyushu eine moderne Anlage zur Aufbereitung von PET- und Polyesterfasern entwickelt. Dafür sammelt man getragene Kleidung von großen Textilhändlern und Kaufhäusern.

Bei Verbundstoffen und unsortiertem Hausmüll aber gibt es nach wie vor Probleme. Hier gibt es großen Bedarf an modernen Sortieranlagen und innovativen Recyclingprozessen. Der Markt bietet daher gute Chancen für deutsche Anbieter.

Eine erste deutsche Investitionen in der Plastik-Recycling-Branche gibt es bereits: die Berliner Alba hat mit dem japanischen Entsorgungsunternehmen Seiu Japan 2019 eine Kooperation vereinbart, um im Großraum Tokio ein PET-Recyclingwerk zu bauen und zu betreiben. Die Anlage zur Herstellung von PET-Flakes und PET-Pellets soll im Jahr 2020 in Betrieb gehen. Die Kapazität soll auf 35.000 Tonnen ausgelegt sein.

Bild: Tokio Ikebukuro (Wikipedia CC BY-SA 3.0)